Der RSC Anderlecht und Fred Rutten

DONNERSTAG, 9 MAI 2019, 09:30 - D.A.B.
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MEINUNGEN Kurz, aber nicht schmerzlos war Fred Ruttens Herrschaft beim Traditionsclub RSC Anderlecht. Gerade mal 99 Tage und 13 Spiele lang hatte der 56 Jahre alte Niederländer bei den Belgien das Sagen als Trainer. Das letzte Match unter seiner Ägide gegen Standard Lüttich machte nicht nur wegen mangelnder Leistung, sondern auch wegen außer Rand und Band geratener Fans Schlagzeilen. Weil Anderlecht-Anhänger bengalische Feuer aufs Spielfeld warfen, wurde die Partie in der 32. Minute abgebrochen.

Seine Nachfolge tritt Karim Belhocine an, der bereits vor Ruttens Amtsantritt als Interimstrainer aktiv war.

Ob und wie schnell sich der Club wieder berappeln und seine alte Form zeigen kann, ist derzeit mehr als ungewiss. Dem belgischen Rekordmeister werden bei den Buchmachern nicht einmal mehr Außenseiterchancen auf den Sieg in der Jupiler Pro Liga eingeräumt, und auch auf einen Platz unter den Top drei Teams setzen nur noch wenige Fans.
  
Auch für die Champions League und die Europa League ist der Zug für diese Saison so gut wie abgefahren. Nach fünf spektakulär erfolglosen Play-Off-Spielen sieht es so aus, als würde der RSC Anderlecht erstmals seit 56 Jahren den europäischen Fußball verpassen.

Fred Rutten sollte im Januar das Ruder herumreißen. Vor allem in der Europa League sah die Bilanz düster aus, als er das Traineramt übernahm. Gerade mal ein Sieg und zwei Untentschieden waren Anderlecht in sechs Spielen geglückt. Doch selbst danach riss die Pechsträhne nicht ab. Vier Play-Off-Spiele im März und April endeten mit vier Niederlagen. Im ersten Spiel unter Belhocines Führung brachten die Anderlechter es immerhin zu einem 0:0. Fünf Begegnungen stehen in den Play-Offs 1 noch aus.
Ruttens Abschiedsbilanz waren fünf Siege in 13 Begegnungen.

Für Anderlecht war das um so bitterer, weil der Club und die Fans Erfolge gewöhnt sind. 34 belgische Meistertitel, 13 belgische Superpokale und neun belgische Pokale, ein UEFA-Cup-Sieg, zwei UEFA-Supercups und zwei Siege im Wettstreit um den Europapkal der Pokalsieger machen den Verein zu einem der europäischen Topclubs. Die Saison ließ sich vielversprechend an, mit vier Siegen in Folge.

Rutten, der seine Trainerkarriere beim FC Twente Enschede begann und mit dem Club 2000/2001 den niederländischen Pokal holte, hatte vor mehr als zwei Jahren eine ähnliche Dürrezeit. Al-Shabab in den Vereinigten Arabischen Emiraten trennte sich nach sieben erfolglosen Spielen in Serie im Januar 2017 von ihm als Trainer. Ruttens Bilanz in seiner nächsten Station bei Maccabi Haifa in Israel war ebenfalls durchwachsen.

Der Franko-Algerier Belcohine wechselte im Oktober 2017 als Co-Trainer unter Hein Vanhaezebrouck vom KV Kortrijk nach Anderlecht. Vanhaezebrouck verbuchte vor seinem Ausscheiden neun Siege in dieser Saison. Die beiden anschließenden Begegnungen unter Belcohines Führung endeten mit einer Niederlage und einem Sieg, ehe Rutten im Januar 2019 seinen Einstand hatte. Drei gewonnene Begegnungen im März in der Juliper Pro Liga konnten allerdings die Niederlagen in den Play-Offs nicht wettmachen. Ruttens nächste Station ist ungewiss, so wie auch der Verlauf der kommenden Matchs für den RSC Anderlecht.



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