Blieb Tielemans, dann bekam Henrotay 1,8 Millionen Euro

DIENSTAG, 23 FEBRUAR 2021, 22:38 - RSCA Skater
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ANDERE Die Zeitungen De Standard und Le Soir hoben heute in ihrem Football Leaks-Bericht die Transferakte von Youri Tielemans und die (schmutzige) Rolle des Spielerberaters Christophe Henrotay hervor. Einige Dinge waren bereits bekannt, aber es kamen auch neue Dinge ans Tageslicht.

Es war bereits bekannt, dass fast ein Viertel der Ablösesumme von 25 Millionen Euro, die Anderlecht von Monaco für Tielemans erhalten hatte, nach Henrotay floss. Das war eine der "Leichen, die aus dem Schrank fielen", über die Marc Coucke sprach, nachdem er Anderlecht übernommen hatte. Heute erfuhren wir durch Football Leaks, wie dieser Transfer zustande kam.

Mandat von Monaco, Anderlecht und Tielemans

Am 14. März 2017 schickte Henrotay eine erste E-Mail an Monaco, um Verhandlungen über einen Transfer von Tielemans zu starten. Henrotay listete prompt die Lohnbedingungen auf, die er für Tielemans erhalten wollte (da er seine Interessen vertritt) und welche Provision er selbst im Rahmen eines Transfers verdienen möchte: 1,5 Millionen Euro, die in drei Jahren zu zahlen sind. Monaco stimmte dieser Provision zu und zwar unter der Bedingung, dass Henrotay es schafft, die Ablösesumme unter 25 Millionen Euro zu drücken.

An sich kein Problem, hätte Anderlecht Henrotay nicht auch den Auftrag erteilt, Tielemans zu verkaufen. Und natürlich wollte auch Anderlecht eine höchstmögliche Ablösesumme erhalten.

20 Prozent der Ablösesumme oder 1,8 Millionen Euro ohne Transfer

Die Vereinbarung zwischen Anderlecht und Henrotay war bereits fünf Monaten zuvor getroffen worden und enthielt verschiedene Szenarien und wie viel der Spielerberater verdienen würde, wenn er Tielemans innerhalb eines Jahres verkaufen würde. Wenn es Henrotay gelang, Tielemans für mehr als 18 Millionen Euro zu verkaufen, erhielt Henrotay 20 Prozent der gesamten Ablösesumme. Normalerweise beträgt eine Provision zwischen 5 und 10 Prozent.

Der vielleicht auffälligste Passus in dieser Vereinbarung zwischen Anderlecht und Henrotay war der, in der geschrieben stand, was passieren würde, wenn Tielemans trotzdem beim Rekordmeister bleiben würde. In diesem Fall hätte Henrotay 1,8 Millionen Euro von Anderlecht erhalten.

Provisionsauszahlung über Schattenstrukturen

Ein erstes Angebot aus Monaco geht am 10. April bei Anderlecht ein. Es überrascht nicht, dass sich dieses Angebot auf 25 Millionen Euro beläuft. Herman Van Holsbeeck und Anderlecht nehmen das Angebot an. 5 dieser 25 Millionen Euro sind die Provisionen, die Anderlecht Henrotay schuldet.

Fast einen Monat später, am 8. Mai, mailen Henrotay und Monaco einen ganzen Tag lang über die Zahlung der monegassischen Provision von 1,5 Millionen Euro. Monaco wird einen Scouting-Auftrag ausarbeiten und Henrotay die Anweisung geben, einen Mittelfeldspieler zu finden. Das Profil, welches sie suchen, war Tielemans buchstäblich auf den Leib geschnitten. Im Gegenzug erhielt Henrotay 6 Prozent der Ablösesumme. Was insgesamt 1,5 Millionen Euro waren.

Tagsüber wird der Begünstigte dieses Betrags mehrmals verändert. Zuerst war es Henrotay selbst, dann sein Halbbruder Martin und dann sein Vater Roger. Das Geld musste bei der luxemburgischen Beraterfirma Henrotay und seinem Vater hinterlegt werden. Letzterer besitzt jedoch lediglich eine der 480 Aktien. Ob die Vereinbarung effektiv unterschrieben und der eingezahlte Betrag festgelegt wurde, konnte anhand der von Football Leaks gefundenen Dokumente nicht ermittelt werden. Die Staatsanwaltschaft wird dies zweifellos bei ihrer Untersuchung des Betrugs durch Henrotay herausfinden.

Wurde die monegassische Provision durch Anderlecht bezahlt?

Im Endeffekt hieß es, dass Monaco Anderlecht nicht 25 Millionen Euro, sondern 26,2 Millionen Euro gezahlt hatte. Anderlecht musste 6,2 Millionen Euro an Henrotay zahlen. Das war sicherlich der Provisionsbetrag von 5 Millionen Euro. Doch woher kamen die zusätzlichen 1,2 Millionen Euro? Vielleicht aus Monaco?

Anderlecht musste den Betrag nicht direkt an Henrotay zahlen, sondern an die unbekannte niederländische Firma Tanguillo BV. Untersuchungen von De Standaard und Le Soir haben ergeben, dass dies eine anonyme Briefkastenfirma in Den Haag ist.

Anderlecht zahlte unter Van Holsbeeck eine erste Rate von 750.000 Euro. Nachdem Coucke den Verein übernommen hatte, weigerte er sich, die zweite Rate von 5,45 Millionen zu überweisen. Aus den auf der Webseite des belgischen Fußballverbandes veröffentlichten Daten geht hervor, dass Anderlecht in der Saison 2018-2019 eine Zahlung an Henrotay für Tielemans geleistet hat. Ein Betrag wurde nicht aufgeführt.

Keiner der Beteiligten wollte den Inhalt bisher kommentieren.

Quelle: © Eigene Quelle



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